Bericht: Time to Listen 2022

Diskussionsgruppen

Open Space
©Stefanie Kulisch

Der Open Space wurde von Jo Töpfer moderiert, der zu Beginn des Tages eine Einführung in das Konzept gab. Ein Open Space ist ein partizipatives Konferenzformat, bei dem die Teilnehmer*innen die Tagesordnung selbst gestalten und verwalten können. Innerhalb des thematischen Rahmens des Konferenzthemas – in diesem Fall Nachhaltigkeit in der zeitgenössischen Musik – bringen die Teilnehmer*innen die für sie wichtigen Themen für Diskussionsrunden ein und übernehmen dann die Gesprächsleitung der einzelnen Sessions. Nachdem die Planung aller Diskussionsgruppen abgeschlossen und die Tagesordnung für die beiden Tage festgelegt ist, können alle Teilnehmer*innen frei entscheiden, an welcher Diskussionsgruppen sie (aktiv oder passiv) teilnehmen möchten. 

Die durch die Teilnehmer*innen erstellte Agenda bot einen interessanten Einblick in die Dimensionen und Themen innerhalb des breiten Spektrums der Nachhaltigkeit, die für Akteur*innen der zeitgenössischen Musik am wichtigsten sind. Die vorgeschlagenen Themen für die Vormittagssitzungen deckten eine Bandbreite an Aspekten ab wie zum Beispiel die Reduzierung des Energieverbrauchs bei Veranstaltungen, Reisen und Tourneen, die Entwicklung von Kriterien für eine nachhaltige Kulturförderung oder die Frage nach der Freiheit der Kunst.

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Nachhaltigkeit: Ein Schritt-für-Schritt-Ansatz

Das Thema Nachhaltigkeit scheint in seinem Umfang und seiner Komplexität für viele Akteur*innen unüberschaubar und zu schwer greifbar zu sein, um konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Dies kann schnell zu einem Gefühl der Ohnmacht führen. Klassischerweise werden folgende Dimensionen der Nachhaltigkeit unterschieden:

  • Soziale Nachhaltigkeit (z. B. faire Arbeitsbedingungen, Chancengleichheit, etc.)
  • Ökologische Nachhaltigkeit (z. B. ressourcenschonende Nutzung von Materialien, erneuerbare Energien, etc.) 
  • Ökonomische Nachhaltigkeit (im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften und auf Langfristigkeit ausgerichteten Prozessen)

Um das Thema greifbar zu machen und damit die Probleme konkreter angehen zu können, versuchte die erste Gruppe das Thema Nachhaltigkeit in kleine Teile zu zerlegen. Ein wichtiges Anliegen der Gruppe war die Schaffung von Netzwerken und Allianzen zum Erfahrungsaustausch, das Teilen von Wissen und die gegenseitige Unterstützung bei Vorhaben der Nachhaltigkeit. 

Da Kunst und Kultur die immense Macht haben, die Gesellschaft durch Erzählungen und Vergnügen zu beeinflussen, befürwortete die Gruppe zudem den Ansatz, Pilotprojekte zu schaffen, die inspirieren und denen andere folgen können.

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Buchprojekt »Musik und Klima« Bernhard König

Dass die Musikindustrie selbst Teil des Problems ist, beginnt seit einigen Jahren ins Bewusstsein der Branche zu dringen. Weniger erforscht ist, in welchem Maße Musikkulturen weltweit durch den Klimawandel bedroht sind. Die Verletzlichkeit von Musikkulturen wird in manchen Teilen der Welt auch heute schon deutlich. So setzte der Hurrikan in New Orleans 2005 die Arbeit des Orchesters zwei Jahre lang außer Kraft. Prognosen nach muss 2070 ein Drittel der Menschheit umsiedeln, was auch Auswirkungen auf die Musikproduktion der betroffenen Gebiete haben wird. 

Die Gruppe erörterte die Frage, ob und wie Musik auch Teil von Lösungen werden kann. Was können Musiker*innen dazu beisteuern, dass unser Planet auch zukünftig noch bewohnbar bleibt und wie sieht eine resiliente Musik aus? 

Als Lösungen wurden folgende Ansätze diskutiert:

  • Die Umnutzung großer existierender Gebäude (systemische Treiber wie z.B. die Elbphilharmonie) für lokale Aktivitäten diskutiert
  • Nachhaltigkeit durch Kunst/Musik bedeutet auch Nachhaltigkeit in den Köpfen des Publikums zu erzeugen. Welche Formate, Strategien, Interaktivitäten kann Musik mobilisieren, um ein Nachdenken über Folgen des Klimawandels zu erzeugen?
  • Es geht heute im Zeitalter des Anthropozäns darum, eine neue »Aufklärung 2.0« (Club of Rome) zu entwickeln. Im Zuge dessen sind besonders die Künste aufgerufen, auch die Musik, neue Erzählungen zu entwickeln. Was wäre eine Erzählung in Zeiten des Klimawandels?
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Nachhalitgkeitsorientierte Förderkriterien

Eine der Gruppen befasste sich mit der Frage der Förderung, eine grundlegende Säule im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Nachhaltigkeit in künstlerischen Kontexten. Ökologisch und sozial nachhaltigere Formen der Produktion zeitgenössischer Musik sind nur durch ein Überdenken der derzeitigen Förderprogramme und ihrer Kriterien möglich. Die Diskussion entwickelte sich aus der Kernfrage, wie nachhaltigkeitsorientierte Förderkriterien entwickelt und durchgesetzt werden können, ohne die künstlerische Freiheit eines Projekts zu stark einzuschränken. Es wurde angeregt, Wege zu finden, die es den Künstler*innen erlauben, eigene Nachhaltigkeitskriterien für ihre Projekte vorzuschlagen und damit Aspekte zu priorisieren, die im Einklang mit dem künstlerischen Konzept stehen und eine Abwägung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte zulässt. Ein weiterer kreativer Vorschlag war die Idee, mehr auf lokale und langfristige Residenzen anstatt auf international ausgerichtete Projekte zu setzen, die bei vielen bestehenden Kunstförderungen bisher noch Priorität hat. 

Jüngste Initiativen wie das Programm »Fonds Zero« der Kulturstiftung des Bundes und der Einrichtung des »Green Culture Desk« der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) zeigen, dass die Unterstützung einer emissionsarmen künstlerischen Produktion und die Förderung einer Verbindung aus künstlerischen Ansätzen und nachhaltiger Produktion langsam aber sicher zu einer Priorität der Fördereinrichtungen werden. Unweigerlich kreiste die Diskussion immer wieder um die Frage, wie man sich auf breiterer Ebene wirksamer für Veränderungen in Bezug auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit künstlerischer Praktiken einsetzen kann. Der Landesmusikrat arbeitet derzeit an einer Kampagne für ein Kulturfördergesetz in Berlin, das Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit in seine Forderungen integrieren will. Auch alternative Modelle wie ein universelles Grundeinkommen für Künstler*innen wurden diskutiert. 

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Energiesparsames Veranstalten

Die Gruppe diskutierte, wie Aspekte der Nachhaltigkeit bereits beim Komponieren bzw. bei der Konzeption von Stücken einbezogen werden können. Auch wenn der Stromverbrauch nicht per se ein Problem (erneuerbare Energien) darstellt, sollte dennoch verstärkt darauf geachtet werden, ressourcenschonend zu arbeiten und energiesparende Produktionen und Präsentationen vorzuziehen. Insgesamt sollte sich grundsätzlich die Frage gestellt werden, welchen Wert beispielsweise Verstärkung, Aufzeichnung und Archivierung haben.

Auch in dieser Gruppe wurden die kurzlebigen Arbeitsweisen des Musikbetriebs infrage gestellt. Finanzierungsstrukturen und Auftragsvergabe der zeitgenössischen Musikszene fördern einen Uraufführungswahn und projektbasierte Arbeit ohne Planungshorizonte und stehen nachhaltigen Modellen von ressourcenschonenden Langzeitproduktionen entgegen. 

Die Gruppe diskutierte die folgenden Lösungsansätze:

  • Ressourcenschonung direkt in die Konzeption von Werken einbeziehen (z.B. »Atmen« von Duncan Macmillans, ein Dasein-befragendes Stück von Katie Mitchell an der Berliner Schaubühne inszeniert, wobei der Strom auf der Bühne produziert wird.)
  • Wiederverwendung von Materialien, Verleih von Ausrüstung, Reparaturen, etc.
  • Akustische Musik – Verstärkung, Aufzeichnung und Archivierung hinterfragen
  • Auf Massenproduktionen verzichten
  • Verzichten auf Streaming, stattdessen Empfang (Radio / Wellen, Antenne)
  • Nutzung von Smarter Technologie zur Energiereduzierung
  • Kreative Ansätze zum Energiesparen (z.B. Das Schwuz heizt mit Körperwärme der Clubbesucher*innen)
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Mobilität

Wie lässt sich der globalisierte Kunst- und Kulturbetrieb mit den Ansprüchen der Nachhaltigkeit im Bereich der Mobilität in Einklang bringen?

Für die meisten professionellen Ensembles und Orchester gehört das Spielen von internationalen Gastspielen zum Kerngeschäft. Zum Teil bedeutet das, dass rund 80 Menschen aus Orchester und Personal für ein einziges Konzert mit dem Flugzeug unterschiedliche Kontinente bereisen. Die Gruppe stellte sich die Frage, ob das Privileg, die Stücke von herausragenden Orchestern live zu hören, im Verhältnis zu den drohenden Folgen der Klimakrise und der bereits existierenden Not auf der Welt steht. 

Fragen nach der Verringerung des ökologischen Fußabdrucks, umwelt-bewusstem Reisen und ressourcen-schonendem Arbeiten werden auch in diesem Bereich immer drängender und es gibt zunehmend Bestrebungen und Möglichkeiten, mobilitätsbedingte Um-weltbelastungen zu reduzieren, ohne auf den Transport von Menschen und Gütern, auf Reisen - privat oder beruflich - (ganz) verzichten zu müssen.

Reisen vollständig abzulehnen wäre hingegen auch nicht richtig, da der internationale und kulturelle Austausch für die künstlerische Arbeit entscheidend ist und einen eigenen Mehrwert hat. Länder des globalen Nordens sind überproportional für die globale Erwärmung verantwortlich, während die Länder des globalen Südens die Hauptlast des globalen Klimawandels tragen. Insbesondere sie sollten nicht zusätzlich durch Einschränkungen im internationalen Austausch belastet werden.

  • Touring
    • Touren intelligent organisieren, so dass auf einer Route verschiedene Orte besucht werden können (eine längere Tour mit mehreren Zielen, statt vieler Einzelreisen)
    • Umstieg auf nachhaltige Mobilität, z.B. Bahn etc.
    • Reisen in einem angemessenen Radius
    • Flugreisen sollten gut abgewogen werden
  • Lokal denken* 
    • Aufträge an Orchester/Ensembles vergeben
    • Ensembles und Orchester zu Festivals für längere Zeiträume einladen
    • Stärkere Verbindungen im Lokalen schaffen
    • Infrastrukturen und die nötige Zeit bereitstellen, um den Austausch zu ermöglichen
  • Hinterfragung des Exzellenzbegriffs
  • Bewusstsein schärfen
    • Bewusstseinsbildung durch Bildung und Kompetenzaufbau 
    • Druck aufbauen durch Publikum, NGOs, etc.
  • Haltung zeigen
    • Künstler*innen können Haltung zeigen und Veranstaltern Bedingungen stellen (z.B. Tino Sehgal setzt sich seit Jahren für eine nachhaltige Kunstwelt ein und reist ausschließlich nachhaltig - oder gar nicht)
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What can art do? | Presentation »Making of ›Decay‹«

Im Skulpturengarten stellten Julian Rieken vom Impuls Festival und der Multimediakünstler Martin Recker die Partitur der Arbeit »Making of ›Decay‹« vor. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Komponieren mit atomarem Zerfall und stellt die Frage, ob man Zeit hör- und sichtbar machen kann. Das Projekt wurde von Paul Hauptmeier und Martin Recker realisiert und anlässlich des 110. Geburtstages des Komponisten John Cage in Halberstadt aufgeführt. Die Komposition basiert auf präzise gemessenen Halbwertzeiten von Atomen, welche Wassertropfen freisetzen, die Töne auf Metalplatten erzeugen. 

An die Präsentation schloss sich eine lebhafte Diskussion an, bei der es um die Frage ging, was politische Kunst ist, wie man politische Themen künstlerisch darstellen kann, welche Wirkung ein Kunstwerk überhaupt haben kann und wie es vom Publikum wahrgenommen wird.

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Mentale Nachhaltigkeit / Arbeitsweisen

Die Arbeitsweisen der zeitgenössischen Musikszene folgen einer schnelllebigen und ineffizienten Verwertungs- und Wachstumslogik: projektbasierte Arbeit, kurze Produktionszeiten, eine auf bestimmte Arten von Werken beschränkte Förderpolitik, Reisemöglichkeiten, prekäre Arbeitsbedingungen für freischaffende Künstler*innen, die Notwendigkeit, eine Aufmerksamkeitsökonomie zu bedienen, der Fetisch für Uraufführungen u.s.w.

Nachhaltige Ansätze für diese Arbeitsweisen würden eine (Neu-)Betrachtung der von uns eingesetzten (menschlichen) Ressourcen voraussetzen. Die Umgestaltung erfordert ein Hinterfragen der Art und Weise, wie wir individuell, gemeinsam und innerhalb unserer Organisationen arbeiten. Dazu gehören auch die Einbindung, Ermächtigung und Einbeziehung von benachteiligten Gruppen sowie neue Formen der Bildung von Allianzen. Um die psychische Gesundheit zu gewährleisten, ist es notwendig, sich (wieder) mit der Gemeinschaft zu verbinden, den Wettbewerb zu reduzieren, respektvoll miteinander umzugehen und finanzielle Sicherheit zu gewährleisten.

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Gesprächskreis in der Sonne

Die Gruppe entschied sich für eine Pause und nutzte die Zeit auf dem Sonnendeck, um sich einander bekanntzumachen und sich darüber auszutauschen, was Künstler*innen tun können.

Sie fragten sich, welche über Auftritte, Konzerte, Festivals hinausgehende Methoden entwickelt werden müssten, damit die Stimme der zeitgenössischen Musik im öffentlichen Diskurs und in den Medien zu Fragen der Folgen des Klimawandels gehört wird bzw. überhaupt zu einer Stimme wird.

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»Entschleunigung« / »Degrowth« in der Kunst

Für die Diskussionsgruppe zu Entschleunigung und Degrowth in der Musik fand sich eine große Gruppe zusammen, die unterschiedliche Dimensionen des Themas entfaltete. Der Austausch reichte von Überlegungen zu neuen Formen der sozialen Organisation, mit denen durch die Kunst experimentiert werden könnte, hin zu Fragen, wie Themen der Nachhaltigkeit durch die Kunst vermittelt werden können. Als Beispiel dafür wurde das besondere Potenzial von Musik genannt, Zeiträume jenseits der menschlichen Lebensspanne erfahrbar zu machen (eine zufällige Parallele zur Diskussion über »Making of Decay«). Die Gruppe hielt fest, dass es notwendig sein würde, in der Kunst weniger zu produzieren, um der Überproduktion entgegenzuwirken (Was bedeutet das überhaupt in der Musik?). Der Sektor müsse seine Werte verschieben, weg von kurzlebigen Produktionszyklen hin zu einer professionellen Kunst, bei der die Prozesse zum »Produkt« werden und die partizipatorische oder kollaborative Ansätze einschließt. Durch die gesamte Diskussion zog sich das Bestreben, ein Gleichgewicht zwischen einer »Anti-Wachstums« oder entschleunigten Existenz und dem vollständigen Rückzug aus der Gesellschaft zu finden. 

Die Gruppe präsentierte einige Lösungsansätze:

  • Finanzierungsstrukturen, die Folgendes unterstützen:
    • lokale Arbeit, weniger und klimafreundliche Reisen 
    • langsame Produktion, prozessorientierte Arbeiten und Präsentationen, längere Haltbarkeit der Werke
    • Einbeziehung nachhaltiger Aspekte in Produktionen und Präsentationsprozesse 
  • Förderung kleinerer Produktionen
  • kleines Publikum, um einen vertieften Kontakt und Dialog zu erreichen 
  • Wiederverwertung und Reparatur 
  • Transporte vermeiden
  • Verlangsamung der Produktionslogik
  • Mehr Zeit für Entwicklung, Entspannung, Austausch und Reflexion 
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Künstlerische Freiheit und Klimakrise

Die Gruppe stellte grundlegend infrage, ob Künstler*innen ihre Arbeiten einem Zweck – auch wenn es ein hohes Gut wie Nachhaltigkeit ist – verschreiben sollten oder ob dies der künstlerischen Freiheit zuwiderläuft. Es sei nicht die Aufgabe der Künstler*innen, Innovationen oder kreative Lösungen für die Klimakrise zu finden. Vielmehr könnte eine künstlerische Denkweise selbst eine Lösung sein, als etwas, das sich außerhalb der industriellen »Innovations«-Logik bewegt.

Der Großteil der zeitgenössischen Musik besteht aus Akteur*innen der freien Szene, die sich über Projektförderung finanzieren. Somit müssen sich Künstler*innen ohnehin regelmäßig Förderkriterien oder kuratorischen Themen und Mottos unterwerfen. Die Gruppe fragte, ob Künstler*innen ihre Arbeit, ihre Vorstellungen vom Künstlerdasein und ihre eigene entwickelte Praxis umgestalten müssen. In jedem Fall seien mehr Kooperationen und mehr Diskussionen mit Menschen außerhalb der eigenen Blase nötig.

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Wasserkrise

Wasser war schon immer ein wichtiger Topos in der Musik. Als Beispiel führte eine Teilnehmerin der Gruppe ein Lied über die Dürre in Ghana aus dem 17. Jahrhundert an. Die Gruppe wählte eine persönliche und intime Art, sich dem Thema Wasserkrise zu nähern. Die Teilnehmer*innen erzählten von ihren persönlichen Verbindungen, Erfahrungen und Geschichten mit Wasser und dem Hören von Wasser. Dies brachte sie zu der Frage, auf welche Weise wir Wasser hören – etwa als Wissenschaftler*innen oder als Künstler*innen.

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Digitalität als Teil des Problems

Die Verwendung digitaler Komponenten verbindet große Teile der Gegenwartsmusik und die Pandemie hat insbesondere der digitalen Verbreitung von Musik nochmal einen großen Schub verliehen. Zwar können digitale Technologien an vielen Stellen wertvolle Beiträge zur Nachhaltigkeitswende leisten, was auch für die Musik gilt, doch sollte die Selbstverständlichkeit, mit der die Digitalisierung von Musik vorangetrieben wird, zumindest hinterfragt werden. Denn Digitalität ist stellenweise auch Teil des Problems und sogar Treiberin von umweltschädlichem Verhalten. Man nehme zum Beispiel den C02-Abdruck von Streaming. Dies beinhalte auch blinde Flecken in institutionellen Nachhaltigkeitskonzepten wie zum Beispiel der Anteil des Konsumverhaltens des Publikums. 

Auch sei es notwendig, eine außereuropäische Perspektive einzunehmen, da in manchen Teilen der Welt, wo es im Alltag um die Existenzsicherung geht, die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit als Luxusthema gilt. Zudem sollte die Aufmerksamkeit der Verdrängung von analogen Musikformen gelten. Viele indigene Musiktraditionen zum Beispiel, die oftmals Teil des gemeinschaftlichen Lebens und des ihm zugrundeliegenden Wissenstransfers zwischen Generationen sind, wie es bereits seit einem Jahrhundert von Musikethnolog*innen dokumentiert wird, sind im Begriff zu Verschwinden.

Lesetipps: 

  • Bernhard König: Der wohltemperierte Regenwurm
  • Uwe Schneidewind: Die Große Transformation / Zukunftskunst
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