Erstellung von ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzepten

Nachhaltigkeitsperspektiven der zeitgenössischen Musik

7. Februar 2024 | Katharina Ortmann

Grafik Leitfaden
©Andreas Kretschmer

Die vorliegende Dokumentation ist eine Einführung in die konzeptionelle Planung und Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen. Ergänzt wird dies anhand von Beispielen aus der Praxis von Musikprojekten, die sich für umweltbewusstes Handeln und Nachhaltigkeit einsetzen. Zudem dient sie als Materialfundus, um konkrete Schritte zur Integration von Nachhaltigkeit in Kulturorganisationen / Projekten zu entwickeln. Akteur*innen der freien Musikszene soll Inspiration und Unterstützung geboten werden, um langfristig positive Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Kultur zu erzielen. 

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einführung in das Thema 
        1.1. Potentiale der Kultur nutzen 
     
  • 2. Planung von Nachhaltigkeitskonzepten 
        2.1. Voraussetzung 
        2.2. Schritte der konzeptionellen Planung 
                2.2.1. Erfassung der Ausgangslage für ein Nachhaltigkeitskonzept 
                2.2.2. Erarbeitung von Zielsetzungen einer Nachhaltigkeitsstrategie 
                2.2.3. Bündelung bisheriger Maßnahmen und Bewertung zur Zielerreichung 
                2.2.4. Einbindung der wichtigen Anspruchsgruppen
     
  • 3. Beispiele aus der Praxis 
     
  • 4. Breakoutsessions – Austausch zum Thema: »Der eigene Einflussbereich« 
     
  • 5. Quellen und weiterführende Links 

1. Einführung in das Thema

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren nicht nur im Kulturbereich, sondern auch in der Kulturförderung immer mehr an Bedeutung gewonnen. Damit die Zuwendungsempfänger*innen vor allem der Freien Szene mit den neuen Anforderungen nicht allein gelassen werden, haben sich mehrere Förderorganisationen zusammengetan, um ein gemeinsames Kompetenzbildungsprogramm anzubieten.
 
Die vorliegende Dokumentation verschriftlich den Workshop »Erstellen von ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzepten« vom Oktober 2023. Sie soll eine Einführung in die konzeptionelle Planung und Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen ermöglichen, auch anhand von Beispielen aus der Praxis von Musikprojekten, die sich für umweltbewusstes Handeln und Nachhaltigkeit einsetzen. Zudem gibt die Dokumentation Einblicke in die Diskussion der Workshop-Teilnehmenden. Sie dient so als Materialfundus, um die Nutzer*innen zu befähigen, konkrete Schritte zur Integration von Nachhaltigkeit in ihre Kulturorganisationen / Projekte zu entwickeln. Das Hauptziel ist, Akteur*innen der freien Musikszene Inspiration und Unterstützung zu bieten, um langfristig positive Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Kultur zu erzielen.


1.1. Potentiale der Kultur nutzen

»Ich ermutige immer dazu, das Potential zu nutzen, was in der Verbindung von Kunst und Umweltbewusstsein liegt. Die positiven Veränderungen, die durch Musik erreicht werden, solltet ihr wirklich als wirksame Hebel sehen. Es macht Sinn, in seiner eigenen Organisation Dinge mit Blick auf Nachhaltigkeit zu verändern. Aber: man kann viel, viel mehr Menschen erreichen, wenn man mit seiner auch noch so kleinen Organisation Dinge in die Gesellschaft rausgibt – das ist eine große Stärke von Musik: diese emotionale, sehr verbindende Wirkung.«
Selina Kahle, Workshopleiterin, 2N2K

Der Fokus des Seminars lag, wie das Zitat von Selina Kahle verdeutlicht, nur zum Teil darauf, wie ein Projekt seinen ökologischen Fußabdruck verringern kann. Angesichts der sehr geringen Rolle des Kultursektors hinsichtlich der Verursachung klimaschädlicher Treibhausgase stellt sich die Frage, welchen positiven Einfluss Musikproduktion auf die Gesellschaft haben kann im Kontext ökologischer Nachhaltigkeit. Neben der Integration umweltfreundlicher Praktiken in künstlerische Aktivitäten und Veranstaltungen richtet der Workshop deshalb den Blick auf die explizite Verbindung von Kunst und Umweltbewusstsein. Diese soll als wirkungsvoller Hebel erkannt und angewendet werden, um das Bewusstsein für definierte Nachhaltigkeitsziele in der eigenen Organisation, im individuellen Projekt sowie wesentlich innerhalb der eigenen Anspruchsgruppen (Zielgruppen, zum Beispiel dem Publikum) voranzubringen. 

Klimawirkung des Musikbereichs

Hier zur besseren Einordnung des oben beschriebenen ein kurzer Rückblick in Themenschwerpunkt 1 »Nachhaltigkeit und Klimaverantwortung« (Workshop vom März 2023 mit Dr. Ralf Weiß, 2N2K) und auf Zahlen zum Thema Treibhausgasemissionen im Kulturbereich.

Grafik Leitfaden Nachhaltigkeitskonzept

Diese Zahlen sind für den Kulturbereich nicht explizit erfasst, wie die folgende Abbildung (Abb. 1) aus Deutschland veranschaulicht. Der Kulturbereich spielt gesamtheitlich betrachtet für die Verursachung von klimaschädlichen Treibhausgasen eine minimale Rolle. 

Grafik Leitfaden Nachhaltigkeitskonzept

Dies zeigt die zweite Abbildung von der Initiative Julie´s Bicycle und dem britischen Arts Council aus dem Jahr 2021 für Großbritannien. Dabei verursacht der Kulturbereich insgesamt 76,049 t zu 246 Mio t CO2 Equivalent. Im Verhältnis stellt dies 0,0003 Prozent dar. Für Deutschland existiert eine solche Auswertung bis zum Zeitpunkt des Workshops #3 im Oktober 2023 nicht. Weitere Informationen zum Thema Klimawirkung und Verantwortung sind in der Dokumentation des Workshop #1 nachzulesen.

2. Planung von Nachhaltigkeitskonzepten

In der Entwicklung eines anwendbaren Nachhaltigkeitskonzeptes und für den Erfolg des eigenen Projektes ist entscheidend, sich realistische Ziele zu setzen und sich zu fokussieren: Welche Ziele möchte ich erreichen, welches Thema beschäftigen uns, wie haben wir darauf Einfluss? 
Es macht Sinn, sich zunächst ein paar Fragen zu stellen: Wie können wir Dinge effektiv umsetzen? Wo stehe ich, wo habe ich schon Dinge umgesetzt? Und: Kann ich mir Partnerschaften suchen, die die eigene Arbeit verstärken? In der Beschäftigung mit der eigenen Wirksamkeit und den eigenen Ressourcen sowie deren Überführung in konkrete Projekte ist es sinnvoll, sich mit bereits vorhandenen Konzepten und Modellen (der Szene) zu beschäftigen: Wo kann man sich inspirieren lassen, damit man nicht von vorne anfangen muss, sondern Dinge adaptiert, die schon vorhanden sind? 

Es empfiehlt sich, folgende Voraussetzung bei der Planung und Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten zu berücksichtigen:


2.1. Voraussetzung

  • Der Prozess der konzeptionellen Planung sollte Zielsetzung, Strategien, konkrete Maßnahmen und die Kommunikation des eigenen Konzeptes beinhalten.
  • Klein beginnen, realistische Ziele setzen und sich schrittweise weiterentwickeln.
  • Es motiviert (sich und andere), die positiven Auswirkungen der Nachhaltigkeitsstrategie auf die eigene Arbeit, die Umwelt und die Gemeinschaft zu fokussieren und selbst kleine Schritte und Erfolge nach innen und außen (vgl. Anspruchsgruppen) zu kommunizieren.
  • Synergien nutzen: Welches erprobte Modell könnte man auf seine eigene Arbeit anwenden? Wer kann mich mit seinem Modell inspirieren? »Bei denen mach ich mit.«
  • Und nicht vergessen: Die Umsetzung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzepts erfordert Zeit, Engagement und auch personelle Ressourcen, die eingeplant werden müssen.

Wir vertiefen die konzeptionelle Planung weiter, denn sie erfordert ein Vorgehen in mehreren Schritten:


2.2. Schritte der konzeptionellen Planung

  1. Erfassung der Ausgangslage
  2. Erarbeitung von Zielsetzungen 
  3. Bündelung bisheriger Maßnahmen und Bewertung zur Zielerreichung
  4. Einbindung der wichtigen Anspruchsgruppen
  5. Erarbeitung eines anwendbaren Nachhaltigkeitskonzepts
     

2.2.1. Erfassung der Ausgangslage für ein Nachhaltigkeitskonzept

  • Wo stehen wir / ich heute? (Status-quo-Analyse) 
     → Welche Umweltauswirkungen hat unsere Musikproduktion oder die Arbeit unseres Ensembles derzeit? Dies kann den Energieverbrauch, den Wasserverbrauch, den CO2-Ausstoß, Mobilität von Künstler*innen und Publikum, Abfallaufkommen und andere Umweltaspekte umfassen. 
     →Viele dieser Parameter betreffen eher große Institutionen, u. a. mit Gebäudebestand. Kleine Organisationen und Einzelkünstler*innen sollten sich eher an Hilfen, wie Leitfäden (die bereits im Rahmen der Workshopreihe vorgestellt wurden und auf unserer Website verfügbar sind) orientieren.

Mögliches Vorgehen für die Erfassung der Ausgangslage:

a) Energieverbrauch, Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß:

  • Überprüft die Energieeffizienz eurer Produktionsstätten, beispielsweise durch eine Energieaudit. Wenn die Location nicht euch gehört, fragt den Veranstalter an, ob dies bereits für sein Haus geschehen oder angedacht ist.
  • Erwägt den Einsatz erneuerbarer Energiequellen für die Stromversorgung oder fragt den Veranstalter / die Location.
  • Implementiert Energiesparmaßnahmen, wie den Einsatz energieeffizienter Geräte und Beleuchtungssysteme. Die Umrüstung auf LEDs kann hier nicht nur Emissionen, sondern auch Stromkosten einsparen.

b) Mobilität von Künstler*innen und Publikum:

  • Fördert den Einsatz umweltfreundlicher Verkehrsmittel für alle Beteiligten, z. B. Carpooling, öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrradfahren. 
  • Internationale Anreise: Versucht ein Konzept zu erarbeiten, oder euch an Partnerorganisationen, Leitfäden zu orientieren. Z. B. Flüge erst bei über 800 km Anreise.
  • Prüft die Möglichkeit von virtuellen Proben oder Veranstaltungen, um Reisen zu minimieren.

c) Abfallaufkommen:

  • Implementiert ein effektives Abfallmanagement, fördert Recycling und reduziert Einwegverpackungen. Geht hier auch in den Dialog mit dem Veranstalter, dem Haus und den Besucher*innen.
  • Betrachtet die Möglichkeiten zur Vermeidung von Abfällen bereits bei der Beschaffung von Materialien.

d) Klimabilanzierung:

  • Erwägt die Durchführung einer Klimabilanzierung, um die Umweltauswirkungen euren Aktivitäten zu quantifizieren und dann auch aktiv Maßnahmen im Anschluss zu beschließen.
  • Aber: kleine Organisationen sollten den Nutzen dieser Bilanzierung im Verhältnis zum Aufwand abwägen, während größere Institutionen mit Gebäudebestand dies als sinnvoll betrachten können.

e) Positive Wirkungen auf Szene, Publikumsgruppen, Gesellschaft:

  • Welche (positiven) Wirkungen haben wir / habe ich bereits jetzt schon? Impact auf Szene, Publikumsgruppen, Gesellschaft etc. evaluieren bzw. reflektieren.
  • Führt Umfragen durch, um die Wahrnehmung eurer Organisation in Bezug auf Nachhaltigkeit zu verstehen.
  • Dokumentiert bereits vorhandene positive Auswirkungen, z. B. durch Bildungsprogramme, gemeinnützige Partnerschaften oder soziale Initiativen.
  • Durch die sorgfältige Umsetzung dieser Tipps könnt ihr nicht nur die Umweltauswirkungen reduzieren, sondern auch positive Wirkungen auf eure Szene, Publikumsgruppen und die Gesellschaft insgesamt verstärken.
  • Etabliert regelmäßige Reflexionsprozesse, um Fortschritte und Herausforderungen zu identifizieren.
  • Beteiligt Mitarbeiter*innen, Künstler*innen und das Publikum aktiv an Nachhaltigkeitsdiskussionen, um verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen.
     

2.2.2. Erarbeitung von Zielsetzungen einer Nachhaltigkeitsstrategie 

Der Kultur kommt im Kontext der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen eine zweifache Rolle zu. 
→ nach innen in die eigene Organisationsstruktur: Ressourcenmanagement verändern, Prozesse und Strukturen prüfen hinsichtlich der Auswirkungen auf Umwelt und Ökologie 
→ nach außen: Bewusstseinsschaffung und Bildungskonzepte für das Thema Ressourcenmanagement oder Klimawandel bei Publikum und Gesellschaft. Das heißt, die Dinge, die man in der eigenen Arbeit verändert auch nach außen kommunizieren (vgl. Dokumentation von Workshop #5). 

Vor der Erarbeitung konkreter Konzepte und Formate sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Ziele wollen wir / will ich langfristig verfolgen? Ziel und Vision!
  • Welche Ziele können auf dem Weg dorthin kurzfristig erreicht werden / gibt es Teilziele? (auch zur Motivation und nachhaltigen Sichtbarmachung einer Strategie bei Team und Publikum)
  • Gibt es schon Ziele, die verfolgt werden oder die sogar erreicht wurden?
  • Gibt es Maßnahmen oder Ziele, die wir von anderen adaptieren können?

→ Habe ich etwas gesehen, was mich inspiriert? 
→ Wo können wir voneinander lernen und Synergien bilden? 
→ Wo sind (regional) Kooperationen / Partnerschaften möglich, auch jenseits der Kulturszene, um die eigenen Ziele zu erreichen?

An welchen Nachhaltigkeitsdeklarationen / Leitlinien wollen wir uns möglicherweise orientieren (von Organisationen, Verbänden, Orchestern, Künstler*innen etc.)? 
Beispiel: Nachhaltigkeitsdeklaration von Cultur4Climate

Mögliche Ziele in der Kultur:

  • Ressourcenmanagement: Ressourcenverbrauch überdenken. Musikveranstaltungen können nachhaltiger gestaltet werden, indem man auf erneuerbare Energiequellen umsteigt, Abfall minimiert und umweltfreundliche Transportmittel fördert. Diese Maßnahmen können ein Beispiel für Nachhaltigkeit setzen und das Bewusstsein der Konzertbesucher schärfen.
  • Integration in die Organisation: Integration von Nachhaltigkeit in alle Aspekte der Arbeit, von der Planung und Durchführung von Veranstaltungen bis hin zum täglichen Betrieb. Die gesamte Wertschöpfungskette beachten und Möglichkeiten zur Optimierung identifizieren.
  • Partnerschaften und Netzwerke: Partnerschaften mit anderen Künstler*innen, Lieferanten oder Gemeinschaftsgruppen, um nachhaltige Praktiken zu fördern und voneinander zu lernen. Partnerschaften mit Umweltschutzorganisationen eingehen, um gemeinsame Projekte zur Sensibilisierung für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu initiieren. Dies kann sowohl in der Musik als auch in der Öffentlichkeitsarbeit von Vorteil sein. 

Mögliche Ziele durch Kultur:

Neue Form des Ausdrucks, des Klangs, des Hörens: Nachhaltigkeitsthemen auf kreative und inspirierende Weise ansprechen. Künstler können Geschichten erzählen, die sich auf den Klimawandel, den Schutz der Umwelt oder soziale Verantwortung beziehen, um ein breites Publikum zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen.

  • Bewusstseinsbildung und Engagement: Beginnt mit der Sensibilisierung des Ensembles für die Bedeutung von Nachhaltigkeit. Vorteile und die langfristige Wirkung nachhaltigen Handelns verstehen und sicherstellen, dass alle Mitglieder und Anspruchsgruppen in den Prozess einbezogen werden und sich für das Ziel engagieren.
  • Bildungsarbeit und Publikum: Insgesamt bietet die Musik eine kraftvolle Plattform, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen und die Botschaft auf emotionale und künstlerische Weise zu vermitteln. Durch die Verwendung von Klängen, die auf die Natur und die Herausforderungen der Nachhaltigkeit hinweisen, kann die Musik inspirieren, einen Bildungsbeitrag leisten und dazu ermutigen, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

 

2.2.3. Bündelung bisheriger Maßnahmen und Bewertung zur Zielerreichung

  • Maßnahmen und Daten sammeln: Erfasst alle bisherigen Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die in eurer Arbeit oder Organisation umgesetzt wurden. Dies umfasst alle Umwelt-, sozialen und wirtschaftlichen Maßnahmen, die bereits ergriffen wurden. Hier geht es zunächst um interne Prozesse, die für die eigene Arbeit festgelegt werden sollen, sowie in der eigenen Organisation. Erst dann ist es ratsam, nach draußen zu kommunizieren. Hier geht es um ein ehrliches Befragen bzw. Hinterfragen der eigenen Arbeit.
  • Vergleicht die gesammelten Daten mit den zuvor festgelegten Nachhaltigkeitszielen und -zielmengen. Stellt fest, inwieweit die ergriffenen Maßnahmen dazu beigetragen haben, diese Ziele zu erreichen.
  • Bewertet auch mögliche Auswirkungen auf andere Bereiche und Anspruchsgruppen, um sicherzustellen, dass die Nachhaltigkeitsbemühungen nicht zu unbeabsichtigten Konsequenzen führen.

→ Tipp 
Es ist zu empfehlen, sich von Anfang an realistische Ziele setzen, diese schrittweise weiterzuentwickeln und bestmöglich im Team zu erarbeiten.
→ Tipp für Einzelkünstler*innen:
Sucht euch jemanden, die für oder mit euch Dinge umsetzt. Dies können auch Freunde oder Menschen sein, die im engeren Bezugskreis eurer Arbeit stehen. Versucht, das Nachhaltigkeitskonzept bzw. die Nachhaltigkeitsziele zusammen mit dieser Person / diesen Personen aufzustellen oder zu durchdenken. Dies hilft sehr dabei, sich darüber klar zu werden, wohin ihr wollt.
 

2.2.4. Einbindung der wichtigen Anspruchsgruppen

Was sind Anspruchsgruppen?

Alle Personen, die mit meiner persönlichen Arbeit, mit der Arbeit meiner Organisation zu tun haben, müssen in die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie und die Zielfindung einbezogen werden. 
Dazu gehören interne Anspruchsgruppen wie Mitarbeitende, Ensemblemusiker*innen oder das projektbezogene Regieteam, die Geschäftsführung, der selbstständig arbeitende Social-Media-Beauftragte oder der Vereinsvorstand. 
Die größere, sozusagen externe Anspruchsgruppe sind die Besucher*innen und das Publikum, eventuell Schulklassen und Bildungspartner, die für Bildungsprojekte oder weitere Bildungsarbeit zur Verfügung stehen. Zudem gehören Veranstalter, Dienstleister rund um die eigene Veranstaltung dazu. Auch Förderer, Partner und Sponsoren müssen mitgenommen werden, sind also Teil eurer Anspruchsgruppen. Gerade bei öffentlichen Förderungen wird es immer mehr darum gehen nachzuweisen, was man als Fördernehmer*in hinsichtlich Umweltimpact beziehungsweise Nachhaltigkeitsinitiativen unternimmt.

Mögliche Anspruchsgruppen:

intern:
→ Mitarbeiter*innen
→ Geschäftsführung, Künstlerische Leitung
→ Ensemble, Musiker*innen, Performer*innen etc.
→ Produktionsteams

extern:
→ Besucher*innen & Publikum
→ Schulklassen & Bildungspartner
→ Dienstleister, Vermieter, Konzertveranstaltende
→ Förderer*innen, Partner*innen & Sponsor*innen
→ Öffentlichkeit
→ Musikszene

3. Beispiele aus der Praxis

Time to Listen: Das Festival »Time to Listen« der Akademie der Künste 2023 fand statt im August und September 2023 in Berlin. Es wurde mit einer Konferenz in Zusammenarbeit mit field notes berlin eröffnet und führte internationale Künstler*innen zusammen, die mit musikalischen Mitteln auf das dringliche Thema der Klima- und Umweltkrise reagieren. Sie regen mit Klängen dazu an, über unser Verhältnis zu Umwelt, Technologie, indigenem Wissen, Klimagerechtigkeit und Konsum im Anthropozän nachzudenken.
Time to Listen 2023 | field notes (field-notes.berlin)
Time to Listen. Die ökologische Krise in Klang und Musik | Akademie der Künste, Berlin (adk.de)

Stegreif: Mit #bechange nähert sich Stegreif dem Themenfeld Nachhaltigkeit aus den unterschiedlichsten Perspektiven. In Auseinandersetzung mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN werden vier Premierenprogrammen entwickelt, die sich mit vier historischen Komponistinnen beschäftigen und in musikalisch-szenische Produktionen rekomponiert werden. Die vielschichtigen musikalischen, szenischen und gesellschaftlichen Erfahrungen aus den #bechange-Programmen und den #bechange-Workshops flossen in der Symphony of Change zusammen.
infoheft_behind_bechange_awakening.pdf (stegreif.org)
#bechange > Stegreif

One Earth Live: Ein globales Musik- und Umweltfestival, das virtuell stattfindet und Künstler aus der ganzen Welt zusammenbringt, um Bewusstsein für Umweltprobleme zu schaffen und Spenden für Umweltschutzprojekte zu sammeln. 
ONE EARTH LIVE : GLOBAL UNITY STAGE REPLAY - YouTube

Garth Knox: Der Bratschist und Komponist Garth Knox setzt sich in seiner Musik und seinen Projekten für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Er hat Konzepte entwickelt, die die Verbindung zwischen Klang und Umwelt reflektieren.
 Garth Knox – Violist Composer

Oerknal: Ein Ensemble für Neue Musik aus den Niederlanden, das sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzt. Sie organisieren Veranstaltungen, die Umweltthemen und zeitgenössische Musik verbinden.
Oerknal

Klangforum Wien: Dieses international renommierte Ensemble für zeitgenössische Musik setzt sich für Nachhaltigkeit ein. Sie verwenden umweltfreundliche Transportmittel, reduzieren Abfall und setzen auf digitale Kommunikation, um Papierverbrauch zu minimieren.
Klangforum Wien

Melbourne Symphony Orchestra (Australien): Das Melbourne Symphony Orchestra hat sich verpflichtet, nachhaltige Praktiken zu fördern. Sie haben Programme zur Reduzierung von Umweltauswirkungen auf ihren Konzerten, einschließlich der Einführung von umweltfreundlichen Druckmaterialien und des Recyclings von Instrumentensaiten.
Melbourne Symphony Orchestra (mso.com.au)

A Greener Festival: Diese internationale Organisation setzt sich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei Musikfestivals weltweit ein. Sie bieten Bewertungen, Beratung und Zertifizierungen für Festivals, die sich für umweltfreundliche Praktiken einsetzen.
A Greener Future

Reeperbahn Festival (Deutschland): Das Reeperbahn Festival in Hamburg hat eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, die Bereiche wie Energieverbrauch, Mobilität, Abfallmanagement und soziale Verantwortung umfasst. Sie bemühen sich, das Festival jedes Jahr nachhaltiger zu gestalten und veröffentlichen detaillierte Nachhaltigkeitsberichte. 
Reeperbahn Festival | Startseite

4. Breakoutsessions – Austausch zum Thema: »Der eigene Einflussbereich«

In Breakoutsession diskutierten die Workshop-Teilnehmenden in vier Gruppen folgende drei Fragen zur Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzeptes: 
 
 1. Was ist uns bzw. mir wichtig?
 2. Worauf habe(n) wir bzw. ich Einfluss?
 3. Wen muss mit einbeziehen (Anspruchsgruppen)
 
Die Tabelle gibt, als kleinen Eindruck, in Stichpunkten die Ergebnisse wieder, die nach der Gruppenarbeit im Plenum vorgestellt wurden.

5. Quellen und weiterführende Links

Alle Beiträge und Quellen im Workshop sind direkt mit einem Link zum Beitrag oder der Initiative verbunden. Darüber hinaus könnten noch folgende Links von Interesse sein.