Berliner Ensemble Quiz

Wissens-Check Berliner Ensembles

28. Juni 2026 | Patrick Klingenschmitt

©Franziska Brodhun, Peer Kugler, Christoph Voy, Galya Kovalyova, Joanna Janke
©©Franziska Brodhun, Peer Kugler, Christoph Voy, Galya Kovalyova, Joanna Janke

Die zeitgenössische Berliner Ensembleszene ist eine der vielfältigsten und zahlreichsten weltweit. Auch wenn die Ensembles hier in ihrer Arbeitsweise viel verbindet, zeichnen sie sich doch vor allem durch ihre einzigartigen Profile und künstlerischen Schwerpunkte aus. In diesem kleinen Quiz, das Ensembleexperte Patrick Klingenschmitt für uns ausgeknobelt hat, könnt ihr als Vorbereitung auf das große Ensemblefest im Oktober euer Wissen über die zeitgenössischen Musikensembles der Stadt testen, euch vielleicht von ein paar ungeahnten Hintergründen überraschen lassen und mit etwas Glück einen Pass für das Ensemblefest Berlin gewinnen. Die Antworten zu den Fragen 1 bis 8 findet ihr weiter unten auf dieser Seite.

Fragen

1 – Zurück zum Anfang: Die Jahre 1988/89 waren zeitgeschichtlich für Berlin besonders wichtig. Für welche drei Ensembles fällt ihre Gründung oder Konstituierung in diese Zeit des Umbruchs?

2– Zusammenarbeit spielt in der Berliner Ensembleszene eine zentrale Rolle. Welche vier Ensembles haben sich zum EnsembleKollektiv Berlin zusammengeschlossen und in welchem Jahr war das?

3 – Instrumentenkunde: Welches Ensemble hat einen besonderen Bezug zur Orgel?

4 – Was verbindet die beiden Ensembles Zinc & Copper und Solistenensemble Kaleidoskop?

5 – Seit einigen Jahren wächst die Anzahl der Musiker*innen und Komponist*innen in Berlin, die sich mit reiner Stimmung und relationalen Stimmungssystemen beschäftigen. Welches Ensemble der jüngeren Generation ist aus dieser Bewegung hervorgegangen?

6 – Was verbindet die drei Ensembles Trickster Orchestra, AsianArt Ensemble und Śabdagatitāra?

7 – Welches Ensemble, bestehend aus zwei Composer-Performerinnen der Echtzeitmusikszene und einer DJ- und Klangkünstlerin, bewegt sich im Grenzbereich zwischen zeitgenössischer Musik, Improvisation und Clubkultur?

8 – Was verbirgt sich hinter Raed Yassins Phantom Orchestra?

9 – Zum Ende noch ein Emoji-Rätsel: welches Ensemble versteckt sich hier? Antworten bitte bis 15. September 2026 mit dem Betreff »Ensemblequiz« an marketing@inm-berlin.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir 2 x 2 Pässe für das erste Berliner Ensemblefestival, das vom 2. bis 4. Oktober 2026 im CANK in Neukölln stattfindet!

Bilderrätsel

Antworten

1 – Das ensemble unitedberlin wurde 1989 im Zuge der deutschen Wiedervereinigung gegründet und versteht sich explizit als Symbol der wiedergewonnenen musikalischen Verbindung der vormals geteilten Stadt. Die Geschichte seiner Stadt ist für unitedberlin nicht nur Lippenbekenntnis, sondern findet thematisch immer wieder Einzug in die Zusammenarbeiten und Projekte des Ensembles. Ein Jahr zuvor, 1988, wurde bereits das Ensemble KNM Berlin gegründet, das seitdem einen wahren Grundpfeiler der Berliner Ensembleszene bildet. Es besteht bis heute fort, wenn auch seine Mitglieder verschiedentlich gewechselt haben. Das Vokalensemble Maulwerker hingegen besteht zwar bereits seit 1977 – was es zum mit Abstand am längsten existierenden Ensemble Berlins macht –, hat aber im Zeitraum 1988/89 zu seiner bis heute weitgehend bestehenden Besetzung gefunden.

ensemble unitedberlin
ensemble unitedberlin
© Mathias Bothor

2 – Gegründet wurde das EnsembleKollektiv Berlin 2013 von den Ensembles mosaik, Adapter und Apparat sowie dem Sonar Quartett. Das Debütkonzert fand im Rahmen der MaerzMusik 2014 in der Volksbühne unter der Leitung von Titus Engel statt.

EnsembleKollektiv Berlin
EnsembleKollektiv Berlin
© Galya Kovalyova

3 – Marion Wörle und Maciej Śledziecki bilden den Kern des Ensembles gamut inc, das seit 2013 mit computergesteuerten selbstgebauten Robotern und Musikmaschinen im Grenzbereich von installativer Konzertperformance und Musiktheater unterwegs ist. Seit 2021 arbeiten sie verstärkt mit automatisierten Pfeifenorgeln; seitdem entstanden Projekte wie etwa »Black Square« oder die Reihe AGGREGATE, mit der gamut inc international in Kirchen und Konzerthäusern zu hören ist.

gamut inc
gamut inc
© Christoph Voy

4 – So unterschiedlich beide Klangkörper unzweifelhaft sind, lassen sich doch in der Arbeitsweise und Zusammensetzung Gemeinsamkeiten finden. Beiden ist zunächst gemeinsam, dass sie nur aus Instrumenten einer Gattung bestehen. Zinc & Copper sind ein tiefes Blechbläser*innentrio, mit Robin Hayward an der Tuba, Elena Kakaliagou am Horn und Hilary Jeffery an der Posaune. Die 12 Musiker*innen von Kaleidoskop spielen alle Streichinstrumente. Neben dem ihnen also jeweils eigenen speziellen Timbre im Ensembleklang sind beide Ensembles sehr aktiv im Bereich Musiktheater und interessieren sich in ihren Kooperationen besonders für interdisziplinäre Projekte und Formate.

Solistenensemble Kaleidoskop
Solistenensemble Kaleidoskop
© Franziska Brodhun

5 – Das Harmonic Space Orchestra wurde eigens gegründet, um einen größeren Klangkörper zu schaffen, der sich ausschließlich der Erforschung und Aufführung von Musik in reiner Stimmung oder relationalen Stimmungssystemen widmet. Der Klangkörper besteht im Kern aus 13 Musiker*innen und Komponist*innen, darunter Ellen Arkbro, Sam Dunscombe, Judith Hamann und Catherine Lamb, die ihre individuellen Interessen und ästhetischen Schwerpunkte in das Kollektiv einbringen, um das Feld von Mikrotonalität und erweiterter Stimmung weiter zu erforschen und bekannter zu machen.

Trickster Orchestra
Trickster Orchestra
© Susanne Diesner

6 – Alle drei Ensembles setzen in ihrer Arbeit einen explizit transtraditionellen Schwerpunkt. Ästhetisch und musikalisch kommen sie dabei zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Eigen ist allen, dass sie sich für Berührungspunkte, Überschneidungen, Vermischungen und die Metamorphosen interessieren, die entstehen, wenn zwei oder mehr musikalische Traditionen in einen Dialog auf Augenhöhe eintreten.

Das Trickster Orchestra unter der Leitung von Cymin Samawatie und Ketan Bhatti setzt dabei auf die verbindende Kraft von Komposition und Improvisation und kann auf eine Besetzung von über 40 Musiker*innen mit unterschiedlichsten Biografien und instrumentalen Praktiken anwachsen.

Das AsianArt Ensemble vereint 11 Musiker*innen in einer einzigartigen Besetzung aus Instrumenten aus China, Japan und Korea sowie europäischen Streichinstrumenten. Da für seine spezielle Besetzung kein Repertoire besteht, ist das Ensemble besonders auf Auftragswerke angewiesen und veranstaltet deshalb regelmäßig Workshops mit Komponist*innen, um neue kompositorische Ansätze zu initiieren.

Śabdagatitāra ist ein internationales Netzwerk transtraditioneller Musik, das von Sandeep Bhagwati gegründet wurde und neben Berlin Rhizome in Pune (Indien), Montreal und Toronto (Kanada) sowie Oslo (Norwegen) ausgebildet hat. In Berlin sind unter anderem der Sheng-Virtuose Wu Wei, der Kontrabassist Klaus Janek, die Gebrüder Teichmann und die Guzheng-Spielerin Lucy Zhao Teil des hiesigen Śabdagatitāra-Ensembles.

AsianArt Ensemble
AsianArt Ensemble
© zVg

7 – Das Trio Contagious besteht aus den beiden Langzeitkollaborateurinnen Sabine Ercklentz (Trompete, Elektronik) und Andrea Neumann (Innenklavier, Mixer) sowie Mieko Suzuki (Turntables, Elektronik). Zusammen erschaffen sie abstrakte, dekonstruierte Stücke, die von der physischen Intensität elektronischer Clubmusik genauso informiert sind wie von der fragilen Klanglichkeit zeitgenössischer Improvisation.

8 – Streng genommen ist Raed Yassins Phantom Orchestra kein faktisches Ensemble, sondern der Versuch, aus separat aufgenommen Solotracks von nicht weniger als 42 improvisierenden Musiker*innen aus Berlin eine monumentale Orchesterkomposition zu schaffen. Aufgenommen im Lockdown 2021 und veröffentlicht 2025 auf Morphine Records, hat Yassin mit dem Orchester auch schon »live« gespielt, etwa im Mai 2023 im Hamburger Bahnhof. Dabei sind die Musiker*innen nicht anwesend, sondern Yassin arrangiert die einzeln auf Vinyl gepressten Stimmen auf 12 Plattenspielern parallel und im Moment zu immer neuen Klangcollagen, die den performativen Charakter einer Kollektivimprovisation besitzen.

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