Opposite Editorial: Rebecca Wolf
field notes #45
25. Dezember 2025 | Rebecca Wolf
25. Dezember 2025 | Rebecca Wolf
Liebe Leser*innen,
Willkommen 2026! Musik ist da und bleibt. Sie ist ein Angebot der Erfahrung, des eigenen Musizierens, auch mit anderen. Ein Angebot zu genießen, zu erforschen, über sie zu reden, mit ihr zu lernen oder etwas an andere weiterzugeben. Für das neue Jahr wünsche ich uns allen, dass wir uns von Musik immer wieder Mut machen und unseren Optimismus stärken lassen.
Was neue Musik angeht, ist der Berliner Jahresbeginn wieder von den Festivals Ultraschall und CTM geprägt. Bei Ultraschall ist u.a. das DSO mit Programmen dabei. Zu György Kurtágs 100. Geburtstag sind dessen »Kafka-Fragmente, op. 24« im Heimathafen Neukölln zu hören und Margit Kern am Akkordeon, dem Instrument des Jahres. Das CTM Festival steht unter dem Motto »dissonate < > resonate«, wobei das Artistic Lab bei der Veranstaltung »Resynthesising the Traditional« in der DAAD Galerie kulturelles Erbe in den Blick nimmt. Mit Raumklang beschäftigen sich die Programme mit d&b audiotechnik im Haus der Visionäre und die Performances von Earth und gamut inc. Parallel dazu findet das Schwesterfestival transmediale im Haus der Kulturen der Welt mit Fokus auf die vielen Zwischenräume und die menschlichen Bezüge zu Technologien durch die Jahrhunderte statt. Beim Blick in die vielfältigen Programme fallen zwei Themen besonders ins Auge: Raum und Instrument. Beide Begriffe sind weit gespannt, von präparierten, weiterentwickelten, elektronisch verarbeiteten Instrumenten bis hin zu ungewöhnlichen Kombinationen von Räumen als Zwischenräumen, als Gegenstücken zu Zeit, als geografischen Räumen und den »Spaces« der Science-Fiction.
Weltraum und Science-Fiction gibt’s von der Kompanie Opera Lab Berlin in ihrer Space Opera »YOU\ME/ALIEN« im Theater im Delphi. »LIMINAL« wiederum heißt das Programm der MAM.manufaktur für aktuelle musik zu Hybriden verwandter Künste in der Fahrbereitschaft. Die Unerhörte Musik im BKA-Theater hat immer wieder interessante internationale Gäste, wie zum Beispiel das Ensemble Synchronos Zagreb oder das Stockholm Saxophone Quartet. Saxofone gibt es in der Konzertreihe außerdem bei den »Songs of Whales«, dann mit der ungewöhnlichen Besetzung zweier Baritonsaxofone.
Viel Vergnügen und gute Erkenntnisse!
Rebecca Wolf
Rebecca Wolf ist Musikwissenschaftlerin und beschäftigt sich mit Aufführungspraxis, Materialien im Instrumentenbau, Schnittstellen zu Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie Musikautomaten. Seit 2021 ist sie Direktorin des Staatlichen Instituts für Musikforschung am Kulturforum.