Eure Arbeiten laden das Publikum dazu ein, eine emotionale Beziehung zu den Technologien aufzubauen, die ihr verwendet. Erin, du hast zum Beispiel eine kleine Kreatur erschaffen, die aussieht wie ein flauschiges Tier und aus einem Mikrofonwindschutz besteht. Du bittest das Publikum, ihr einen Namen zu geben, der dann von einem in der Kreatur versteckten Raspberry Pi aufgezeichnet wird. Haben Maschinen eine Persönlichkeit?
Moser: Für mich ist das Konzept des Objektgedächtnisses entscheidend, weil ich Objekte als Werkzeuge menschlicher Interaktion betrachte. Sie verkörpern die Geschichte ihrer Handhabung durch uns. Computer wiederum gehören zu den Technologien, die aus dem Wunsch heraus entstanden sind, uns selbst und das uns umgebende Universum zu verstehen. Zum Beispiel das Astrolabium, eine Erfindung aus der chinesischen Himmelskartografie, oder die persische Wasseruhr. Das sind sozusagen die ersten Computer. Die haben sich im Laufe der Zeit zu diesen komplexen Maschinen entwickelt, die kaum wiederzuerkennen sind, weil sie ihren ursprünglichen Zweck, Werkzeuge zu sein, verloren haben. Ich versuche herauszufinden, wie ich diese Hardware-Teile einsetzen kann.
Hong: Vielleicht haben Maschinen einfach eine Persönlichkeit, weil wir sie vermenschlichen. Das funktioniert wie bei Vögeln: Wenn ich als Mensch Vögel sehe, denke ich von ihnen in meinen menschlichen Kategorien als »frei«. In diesem Sinne ist es interessant, sich vorzustellen, dass Maschinen eine Art Persönlichkeit haben.
Hye, du arbeitest in deinen Installationen mit kleinen Motoren, die an Pflanzen oder insektenähnliche Wesen erinnern. Haben die eine eigene Persönlichkeit?
Sin: Das Wort »Persönlichkeit« ist aus einer eher menschen zentrierten Logik heraus gedacht. Aber vielleicht haben sie bestimmte Eigenschaften. Während des Arbeitsprozesses habe ich jedoch wirklich das Gefühl, dass das Material so etwas wie Eigeninitiative besitzt und nicht nur ein passives Etwas ist.Ich kann das Verhalten der Objekte nicht vollständig kontrollieren. Diesen Aspekt versuche ich sichtbar zu machen, indem ich Situationen schaffe, in denen Objekte ihre eigenen Geräusche oder Bewegungen erzeugen können.
Viele Menschen unterscheiden zwischen »natürlich« und »künstlich« und messen beidem einen unterschiedlichen Wert bei. In welcher Beziehung stehen das Natürliche und das Künstliche in eurer Arbeit?
Moser: Ich würde diese Grenzen nicht scharf ziehen. Elektronische Klangquellen bestehen aus Mineralien, Keramik und anderen natürlichen Materialien, die jedoch miniaturisiert, verarbeitet und im Labor hergestellt werden. Viele meiner Arbeiten beschäftigen sich mit der Herkunft dieser Materialien: Was bedeutet es, nach einem Halbleiter zu schürfen? Oder einen Kristall zu züchten, aus dem ein Transistor wird?
Hong: Ich unterscheide in meiner Arbeit zwischen natürlich und künstlich, versuche aber immer, eine Brücke zwischen beidem zu schlagen. Ich sammle zum Beispiel organische Materialien und entlocke ihnen dann synthetisch wirkende Klänge – oder umgekehrt. Auch wenn ich einen Schallwandler verwende, versuche ich immer, auch natürliche Materialien wie Metall, Glas oder Kunststoff einzubeziehen. Die Harmonisierung dieser beiden Felder ist wirklich interessant. Ihre Unterschiede eröffnen viele Möglichkeiten.
Könnt ihr beschreiben, worin der Unterschied zwischen einem natürlichen und einem synthetischen Klang besteht?
Sin: In meiner Arbeit verwische ich bewusst die Grenze zwischen dem, was wir als natürlich oder synthetisch betrachten. Darum geht es auch in meiner Serie »Plastic Garden«. Die Arbeiten sind keine Nachahmung der Natur, sie sind ein Garten – ein Garten, der ausschließlich aus Objekten besteht. Ich habe das Gefühl, dass diese Objekte an irgendeinem Punkt in der Menschheitsgeschichte behaupten werden, sie seien die Natur. Sie haben ja bereits begonnen, die Oberhand zu gewinnen. Für den Ton der Serie habe ich mit BBC-Aufnahmen gearbeitet, zum Beispiel von Kuhglocken oder Papageien. Diese Klänge wurden alle von Menschen ausgewählt, aufgenommen und bearbeitet. Können wir sie dann noch als natürliche Geräusche bezeichnen? Ich habe da meine Zweifel.
Moser: Ich betrachte das Synthetische als etwas, das irgend wann wieder Teil der geologischen Erdschichten wird. All diese Dinge, die wir entwickeln und bauen – die Technologien, die Instrumente, unser Müll – beginnen sich anzuhäufen und werden dann Teil der Erdgeschichte. Wir werden nur eine Schicht unter vielen anderen sein. Wir werden verschwinden. Wie fragen uns: Was ist natürlich, was künstlich? Dabei besteht letztendlich alles aus der Erde. Und wenn alles zur Erde zurückkehrt, gibt es keine zusätzliche Materie. Aber wir als Menschen brauchen diese Art der Unterscheidung, damit wir uns von Maschinen abgrenzen können. Vielleicht ist das eine notwendige Unterscheidung, damit wir unsere geistige Gesundheit bewahren können.