Sonar Quartett

Sonar Quartett
©Piotr Bialoglowicz

Sonar ist Spanisch für klingen. Sonar bezeichnet aber auch ein Verfahren zur Distanzvermessung unter Wasser. Schallimpulse werden in den unbekannten Raum geschickt. Ihr Echo bringt neue Erkenntnisse über Nähen und Entfernungen mit. Im Profil des 2006 gegründeten Sonar Quartett vereinen und bedingen sich diese scheinbar unverwandten Bedeutungen des Wortes: Die musikalisch-sinnliche Ebene verbindet sich mit einer des Suchens und Forschens im noch unerschlossenen Raum. Für die vier jungen Musiker ist dieser Raum die aktuellste zeitgenössische Musik.

Das Sonar Quartett – das sind Susanne Zapf und Wojciech Garbowski (Violine), Nikolaus Schlierf (Viola) und Cosima Gerhardt (Violoncello) – scheut bei seiner Mission kein Risiko und hat sich damit einen festen Platz in der Welt der Neuen Musik erobert. Neben Auftritten bei den Berliner Festivals Ultraschall und MaerzMusik, dem Forum Neuer Musik des Deutschlandfunk, dem Young China Festival des Hessischen Rundfunk und dem Siemens Arts Program u.a., führt es seine Konzerttätigkeit vermehrt auch zu Festivals ins Ausland, darunter London Ears, Gaudeamus Utrecht, Présences Paris, Ostrava Days, Tage Neuer Musik Zürich, Pan Music Festival Seoul. Dreh- und Angelpunkt seines Schaffens aber bleibt seine Heimatstadt Berlin. Hier verstehen sich die vier Musiker als integraler Teil eines Organismus. Sie beleben die hauptstädtische Musikszene, die ebenso viel unentdecktes wie etabliertes Kreativpotential in sich trägt, mit Kompositionsaufträgen und lassen sich dabei auf Wagnisse aller Art ein. Nicht selten verlassen sie die Wohlfühlzone herkömmlicher Konzertformen, kollaborieren als Interpreten wie auch als Improvisatoren ohne Berührungsängste mit Künstlern aus E- wie U-Musik und wandern die Grenzen zwischen Konzert und Performance ab, ob in Konzertsälen, Clubs, Galerien, verlassenen Fabrikgebäuden oder zweckentfremdeten Schwimmbädern.

Noch nicht Gehörtes zum Klingen zu bringen, vorurteilslos und jenseits aller Kommerzialisierbarkeit – mit diesem Anliegen lässt das Sonar Quartett in seiner Konzertreihe »Berlin im Quadrat« das Publikum den »Klang des Möglichen« hören und an der Repertoirebildung der Zukunft aktiv mitwirken. Und in der jungen Berliner Komponistenszene stößt das Quartett oftmals auf außergewöhnliche neue Werke, die über das Sonar-Repertoire den Weg an eine breitere Öffentlichkeit finden.

Das Neue fördern heißt auch, dem Neuen Kontexte schaffen. Bei den »Sonar Sessions« lädt das Quartett spontan zu informellen Hauskonzerten ein, die im kleinen Rahmen Einblick in den Erarbeitungsprozess neuer Stücke gewähren und Raum für Gespräche mit Quartett und Komponisten bieten. In dramaturgisch stringenten Programmen bringen die Spieler neuste Kompositionen in einen Dialog mit Werken aus Moderne, Nachkriegsavantgarde, Postmodere wie auch des klassischen Repertoires. Gerne drehen sie das vielgeliebte, auch im bürgerlichen Konzertrahmen salonfähig gewordene Sandwichprinzip - ein neues Werk zwischen zwei alte geschmuggelt - um und eröffnen durch Kompositionen der Gegenwart einen frischen Zugang zu Schlüsselwerken der nahen und fernen Vergangenheit.

Mit dem Selbstverständnis ihrer Rolle im zeitgenössischen Musikleben und der engen Zusammenarbeit mit den Komponisten hinterlassen die neugierigen Musiker bei Publikum und Veranstaltern starke Eindrücke. »In ihrem Spiel verbinden sich Akkuratesse des Zusammenspiels und Energiegeladenheit, klangliche Expressivität und sorgsamste Differenzierung zu einem atemberaubenden Musizieren« schreibt Gisela Nauck in der Zeitschrift Positionen. Von »Spielwitz, Emotion und Experimentierlust, wie man sie heute auf Avantgarde-Podien selten hat«, spricht indessen Frank Kämpfer (Deutschlandfunk) und bezeugt damit, dass der uneitle Erkundungsgeist der jungen Vierertruppe vor allen Dingen auch Spaß macht. Dass dieser Funke auch auf das Publikum überspringt, ist dem Sonar Quartett ein großer Wunsch, denn im Publikum sieht es einen ebenso integralen Teil des besagten Organismus.

Ein Konzert des Sonar Quartett hält immer ein hohes Überraschungs- und Diskussionspotenzial bereit. Und gerade wegen seiner Risikobereitschaft hat sich das Sonar Quartett über die Jahre ein stets wachsendes Stammpublikum erspielt, das die »Gefahren« des Erkundungsprozesses in der musikalischen »terra incognita« mit Leidenschaft teilt und erlebt.

Weitere Informationen auf der Webseite des Sonar Quartett.

  • Sonar Quartett
  • Freie Szene

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