Time to Listen: Programm Tag 1

Konferenz
©Stefanie Kulisch

TAG EINS: Freitag, 26. Juni 2026

13:00 Anmeldung und Kaffee | Studiofoyer / Sesselclub

13:30–14:45 Nardi Simpson: winangaylaylaya (interaktiver Workshop) | Außenraum hinter dem Clubraum
Die australische First Nation Geschichtenerzählerin, Performerin und Komponistin Nardi Simpson erforscht in einem interaktiven Workshop mittels Geschichten, Sprache und Melodie, was genau es bedeutet, zu hören, zu verstehen, in Beziehung zu treten und zu teilen. Geleitet von »winangaylaylaya«, einem Konzept der Yuwaalaraay, untersucht Nardi Praktiken des (Anmerk der Redaktion: mit Bezug auf das Konzept des Deep Listening) tiefgründigen Denkens, Wissens, Verstehens und Respekts. Der Workshop stellt dabei die Praxis des In-Beziehung-Tretens der Yuwaalaraay vor, die grundsätzlich Menschen, die belebte Welt, alle ihre Bewohner*innen, Ahnen und die Geschichten, die mit ihnen verwoben sind, einbezieht. Teilnehmer*innen des Workshops werden dazu eingeladen, innerhalb der Praxis von »winangaylaylaya« über ihre Rollen, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten zu reflektieren. 
Nardi Simpson ist eine mehrfach ausgezeichnete Autorin, Komponistin und Forscherin der Yuwaalaraay. Ihre Arbeiten umfassen Literatur, Musik und soziale Praxis. Sie erhielt Werkaufträge von mehreren großen Ensembles und Festivals und hat extensiv zur Musik der Yuwaalaraay, weiblichem Wissen über Wasserwege, Schöpfung und Heilung geforscht. Sie ist Postdoktorandin am von Liza Lim initiierten Projekt »Resonant Earth: Music, Ecology & Climate Justice« (offiziell: »Multispecies Creativity and Climate Communication«).

14:15–14:30 Begrüßung und Einführung | Studiofoyer
mit Carola Bauckholt (Direktorin der Sektion Musik der Akademie der Künste), Lisa Benjes (Leiterin des field notes Programms der inm), Julia Gerlach (Sekretär der Sektion Musik der Akademie der Künste) und Liza Lim (Leiterin des mehrjährigen musikalischen Forschungsprojekts »Multispecies Creativity and Climate Communication« (2025–2029) an der Universität Sydney) 

14:30–15:15 Zwei parallele Sessions:

  • Ambient Tremology: zur Verstärkung vibrierender Ökologien | Studiofoyer
    Ambient Tremology ist ein transdisziplinäres künstlerisches Forschungsprojekt von Kosmas Phan Ðinh, Mae Lubetkin und Michal Mitro. Prämisse des Projekts ist die Neuorientierung des Akts des Zuhörens von der klanglichen Ebene hin zur vibrierenden, um damit einen Kontakt zur zitternden Materie der amphibischen Welt zu gewinnen. Durch Aufnahmen von Vibration und haptischen Erfahrungen entfaltet sich die Arbeit in den feuchten und brackigen Habitaten des Donaudelta in Rumänien, wo sie granularen Erinnerungen, sich verändernden Wasserwegen und Formen mehr-als-menschlicher Übertragung nachspürt. Im Dialog mit Forscher*innen aus dem aufstrebenden Feld der Ökotremologie verwendet das Künstler*innenkollektiv selbst erweiterte Aufnahmegeräte für Fieldrecordings, während gleichzeitig körperliche Technologien und Praktiken in den Vordergrund gerückt werden, wie etwa das Hören durch die eigenen Knochen oder das Wahrnehmen mit dem gesamten Körper. Diese Praktiken eröffnen Kontaktbereiche zur Wahrnehmung anderer Welten. Das Projekt wird als Sound Lecture vorgestellt, bestehend aus einem Audio Paper und der klanglichen Demonstration eines modifizierten Beschleunigungsmessers sowie Reflektionen über vibrierende Ökologien und Hörprotokolle aus der Feldarbeit.
     
  • Carlos Gutiérrez/Tatiana López: CHRRR XH’IXI Q’LNK | Clubraum
    Bei Time to Listen präsentieren Carlos Gutiérrez und Tatiana López ihre Arbeit »CHRRR XH’IXI Q’LNK« als eine Praxis des Mit-Hörens (listening-with), die eine andere ist als die des Zu-Hörens (listening-to). Entlang der Ufer der Spree entwickelt und entfaltet sich das Werk als poröses Ritual, in dem Körper, Lehm, Wind und Wasser gemeinsame instabile Bereiche der Ko-Resonanz finden können. Bezugnehmend auf Epistemologien der Anden wird Klang dabei als etwas Lebendiges betrachtet: eine vibrierende Kraft, die menschliche und mehr-als-menschliche Akteur*innen durchflutet und miteinander verwebt.
    Die Session zielt auf eine Verlagerung weg von der Komposition mit dem Vorgefundenen und hin zur Einstimmung auf das Vorgefundene. Keramische Objekte atmen, Reibung erzeugt ein Murmeln, Oberflächen zittern; die Teilnehmenden werden zeitweise die Gefäße hybrider klanglicher Anwesenheiten – tierischer, vegetativer oder atmosphärischer Art. Das Hören driftet weg von einem kontrollierten Zustand hin zu einer Situation, in der man hörend der Umgebung ausgesetzt ist, von strukturellem Hören hin zu situativem Wahrnehmen.
    Anstatt ein konsistentes Werk zu produzieren, kultiviert diese Praxis vielmehr Bedingungen, unter denen Situationen entstehen können, in denen etwas passiert: ein geteiltes Erfahrungsfeld in dem Möglichkeiten aufflackern, durchsickern und sich permanent modifizieren. In dieser instabilen Ökologie erscheint Kreativität als Verhandlung, Diskrepanz und Resonanz über Spezies, Materialien und Vorstellungen hinweg.

15:15 Kaffeepause | Sesselclub

15:30–16:15 Zwei parallele Sessions:

  • Echo Ho: 33 Fingersätze für Qin | Studiofoyer
    Diese Lecture-Performance basiert auf dem Doktorandenprojekt »Reimagining Qin Fingering Pedagogy through Embodied Artistic Research« an der Kunstuniversität Linz. Die Qin ist ein siebensaitiges chinesisches Instrument mit einer mehr als dreitausendjährigen Geschichte. Die Notation für das Instrument organisiert Fingersätze derart, dass die Hervorbringung von Klang gegenüber einer genauen Angabe von Tonhöhe oder Tempo priorisiert wird. Die 33 Handhaltungsdiagramme aus dem Qin-Handbuch »Taiyin Daquanji« aus dem 16. Jahrhundert dienen als pädagogisches Regelwerk, welches Bewegung, Hören und Aufmerksamkeit innerhalb einer weiter gefassten kosmischen Ordnung und ökologischen Zusammenhängen koordiniert. Beispielsweise heißt es darin, dass der Wind den Kranich zum Tanzen animiere und die rufende Taube den Regen heraufbeschwöre. Diese Methoden schaffen ein frühes Beispiel für Sprache, die über die Grenzen technischer, semantischer, bildhafter und philosophischer Register hinaus wirksam ist.
    In der Lecture-Performance werden diese historischen Diagramme in ein algorithmisches Vokabular für Stimme, klangliches Material, musikalische Gesten und Video übersetzt. Als neue Methode der Inszenierung untersucht die Performance die Bedingungen kritisch, die die Diagramme etablieren. Gleichzeitig soll der dadurch geöffnete kreative Raum für mehr-als-menschliche klangliche Praxis und verkörperte Begegnungen erforscht werden.
     
  • Dugal McKinnon: Joining the Chorus | Clubraum
    Joining the Chorus erforscht die klangliche und körperliche Welt der »kihikihi-wawā«, der sogenannten Chor-Zikaden (Amphipsalta zelandica). Die Session lädt ihre Teilnehmenden mit einer Mischung aus Zuhören und partizipatorischen Aktivitäten zu einer akustisch-somatischen Begegnung mit diesen ikonischen Insekten und den Klängen ihrer Heimat Autearoa (Neuseeland) ein. Dabei untersucht sie Körperresonanzen, die Wahrnehmung aus Perspektive verschiedener Spezies sowie kollektive Klanggestaltung.
    Basierend auf künstlerischer Praxis sowie Wissenssystemen der Māori und westlicher Kulturen erforscht »Joining the Chorus« intime und asymmetrische Beziehungen zwischen der menschlichen und der mehr-als-menschlichen Welt und hebt Verbindungen und Unterschiede hervor. Aufbauend auf dem Māori-Prinzip des »whakapapa«, das alles Seiende als miteinander verwobene Verwandtschaft ansieht, wird eine fruchtbare Spannung zum westlichen Multispecies-Denken hergestellt.
    Die Entwicklung der Präsentation wurde maßgeblich ermöglicht durch Konsultationen mit Jerome Kavanagh Poutama und Ruiha Turner, beide Meister*innen der traditionellen Māori-Instrumente Taonga Puoro, der Entomologin Julia Kasper, dem Te Papa Museum Neuseeland und dem Technologen Dr. Jim Murphy.

16:30–17:30 Musik, Klangkunst und artenübergreifende Gerechtigkeit. Offene Diskussion, moderiert von Liza Lim | Studiofoyer
Die offene Diskussion im Format eines World Cafés zielt darauf, die Kernfragen der Konferenz miteinander zu verhandeln und Praktiken des Hörens und Musikmachens zu erörtern, die mehr-als-menschliche Akteur*innen mit einbeziehen – sodass etwa Tiere, Pflanzen, Flüsse, Ökosysteme und Technologien gleichberechtigte klangliche Partner*innen werden können. Klang soll damit stärker als unweigerlich eingebettet in ökologisch zusammenhängenden Welten reflektiert werden.
Praktiken von Deep Listening und ökologischer Klangkunst haben eine Schlüsselrolle dabei gespielt, die Vorstellungen von kollektiver und geteilter Kreativität in den westlichen Kunstmusiken neu zu formen. Etablierte Methodologien – von Feldaufnahmen und der Sonifikation ökologischer Daten bis hin zu verschiedenen Formen des partizipatorischen und community-basierten Kunstschaffens – erweitern fortlaufend interdisziplinäre Praktiken im Grenzbereich zwischen politischen, sozialen, wissenschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen.
Was kann die Perspektive von artenübergreifender Gerechtigkeit, die sich in Richtung des Mehr-als-Menschlichen orientiert, zu diesem Diskurs beitragen? Welche Verantwortlichkeiten, ethischen Fragen, Kritikpunkte, Freude oder Disruptionen können innerhalb zeitgenössischer künstlerischer Praktiken und kollektiver Lebensentwürfe zu transformierenden Kräften werden?

ab 18:00 spreeklänge. Musik-Parcours zum und am Wasser
Elf internationale Komponist*innen haben neue Werke für besondere Orte an Berlins größter Wasserader komponiert – als Resonanz auf den jeweiligen geografischen Ort und das urbane Umfeld sowie in Resonanz auf lokales und globales Wasser- und Multispecies-Wissen. spreeklänge lassen immersive Klangräume entstehen und greifen zugleich kritische Reflexionen auf wie Fragen nach der Bedeutung von Wasser in indigenen Gemeinschaften und den Rechten und der Würde von Flüssen und nicht-menschlichen Lebewesen und unser Verhältnis zu ihnen. Gespannt wird der akustische relationale Raum von philippinischen Tropfsteinhöhlen über nur taktil zu erfassende Wasserklänge zu der Begegnung mit vielfältigen Fledermaus-Arten an der Faulen Spree. Es werden Utopien mit Sängerinnen auf Ruderbooten inszeniert, Feldnamen von Post- und Westspree rezitiert oder ein andiner Klangwald von Schüler*innen bespielt.

Komponist*innen: Peter Ablinger, Cathy van Eck, Em'kal Eyongakpa, Stephan Froleyks, Carlos Gutiérrez & Tatiana López, Susie Ibarra, Liza Lim, Kate Milligan, Trond Reinholdtsen, Annette Schmucki, Kristine Tjøgersen

Mitwirkende: Evelina Dembacke, Die Maulwerker, ELISION Ensemble, Fernanda Farah, Frauenchor der Künste Berlin, Karin Hellqvist, Ellen Jerstad, Christian Kesten, Jake Landau, Tatiana López, Phusiris de los Andes, Selbstgebaute Musik, Bilawa Ade Respati, Schüler*innen (Heinz-Berggruen-Gymnasium/Schinkel Grundschule), Lars A. Skoglund, Studierende der Universität der Künste und FU Berlin, Jennifer Torrence

Künstlerische Leitung: Julia Gerlach, Daniel Ott

Akademie der Künste Berlin

Von der Caprivibrücke zur Rohrdammbrücke in Berlin-Charlottenburg
Einlass viertelstündlich in Zeitfenstern von 18 bis 19.45 Uhr
Einlass: Rosengarten an der Caprivibrücke (U7 Richard-Wagner-Platz)
Abschluss: Ruhwaldweg an der Rohrdammbrücke (Shuttle zur U7)

Info und Tickets: adk.de/spreeklaenge

in the fall

Time to Listen: Programm Tag 2

Hier findest du alle Informationen zum Programm und Ablauf des zweiten Tags der diesjährigen Time to Listen-Konferenz.

  • Time to Listen Juni 2026
  • Time to Listen

Zum Weiterlesen

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Time to Listen: Programm Tag 2

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Time to Listen 2026 (Juni)

Inmitten der planetaren Krise entstehen weltweit Gemeinschaften, die sich der Pflege und gemeinsamen Gestaltung relationaler Lebensweisen widmen, in denen Gegenseitigkeit, Fürsorge und Respekt im Vordergrund stehen.

Time to Listen 2026 Peter Cusack

Open Call: Time to Listen – Multispecies Creativity in Music

Die Time to Listen Konferenz 2026 lädt vom 26. bis 27. Juni dazu ein, die Idee des Zuhörens und des Musizierens auf mehr-als-menschliche Akteure auszuweiten.

Time to Listen c Stefanie Kulisch

Time to Listen: Programm Tag 2

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Time to Listen 2024 c Stefanie Kulisch

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