Labelportrait: Noise à Noise

field notes #33

10. August 2023 | Kristoffer Cornils

Weisser Schriftzug auf schwarzem Grund.
©Noise à Noise

Erst die Philosophie, dann die Musik: Das würden nur wenige Labels so unterschreiben. Doch ein kurzer Blick auf den Katalog des in Teheran gegründeten, mittlerweile in Berlin ansässigen Imprints Noise à Noise verdeutlicht, dass dort zuerst der Gedanke und dann der Ton die Musik macht. Die Reihen »Post-Orientalism« und »Politics-Aesthetics« des Theoretikers und Komponisten Ehsan Saboohi etwa sind theoretische Reflektionen, die mit unter- schiedlichen Mitteln in die Praxis umgesetzt werden. »Das liegt wohl daran, dass unsere Interessen nichts mit denen der populären Musik zu tun haben, obwohl sie ihr näherstehen als der klassischen«, erklärt das Labelbetreiber Soheil Soheili. Zeitgenössische und elektroakustische Musik, mikrotonale und nicht-konventionelle Kompositionen sowie elektronische und »post- orientalische Musik« als (Denk-)Schule und Musikgenre gehören seit Gründung im Jahr 2018 zum Programm. 

Soheili und sein Team bieten einer umfassenden Bandbreite musikalischer Auffassungen eine zentrale Plattform. Soheili ist Internationalist.  Im Iran betrieb er das Contemporary Musik Magazine, arbeitete beim Tehran Contemporary Music Festival mit und hegte aber ebenso Verbindungen zu Berliner Institutionen wie dem Festival Klangteppich. Das Label soll verschiedene Position aus der Teheraner Musiklandschaft für ein globales Publikum bündeln. Seit dem Jahr 2019 geschieht das durch jährlich erscheinende, mehrteilige Compilation-Reihen, die Prismen iranischer Gegenwartsmusik darstellen. Denn am Ende, so Soheili, gehe es nicht allein um Philosophie. Sondern ebenso um »Geschichte«. »Viele unserer Künstler*innen sind noch unbekannt und man- che wurden gar nicht anerkannt, bevor sie ihre Musik veröffentlicht haben«, erklärt Soheili. Darin liegt die grundlegende Philosophie von Noise à Noise als Label: Diese Fehler zu korrigieren.

Gegründet: 2018
Sitz: Teheran / Berlin 
Betrieben von: Soheil Soheili und Team 
Künstler*innen: Ali Balighi, Alireza Amirhajebi, Ehsan Saboohi, Hadi Bastani, Kamyar Behbahani, Kian Hossein, Leonie Roessler, Sina Shoaie, Vesal Javaheri, Zhoobin Askarieh 
Drei Anspieltipps: Ehsan Saboohi – Politics-Aesthetics I (2023), Leonie Roessler – Iran-India: Two Sonic Journeys (2020), Hadi Bastani and Yalda Zamani –  TWO: Live at theater Aufbau Berlin (2022) 
Website: www.noiseanoise.ir 

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