Opposite Editorial: Kontraklang

field notes #31

13 March, 2023 | Kontraklang

Patrick Klingenschmitt, Marta Blažanovic-Drefers und Edoardo Micheli von Kontraklang
©Kontraklang

Liebe Leser*innen,

die vergangenen acht Jahre hat KONTRAKLANG als monatliche Reihe für zeitgenössische Musik in Berlin die Entwicklungen in der Stadt begleitet und bot eine Plattform für Konzerte mittlerer Größe lokaler Ensembles und Musiker*innen, aber auch internationaler Gruppen. Sie war damit eine Schnittstelle zwischen regionalen und globalen Szenen und präsentierte an unterschiedlichen Orten in Berlin die Vielseitigkeit lebendiger, experimentierfreudiger und aufregender zeitgenössischer Musik. Mit der aktuellen Förderentscheidung des HKF kann KONTRAKLANG in 2023 leider nicht stattfinden. Ob und wie es 2024 mit der Reihe weitergehen wird, werden die nächsten Monate zeigen.

Die Pandemie scheint endlich überstanden, man darf vorsichtig optimistisch sein. Gleichzeitig geben die schwindenden Neustart-Kultur-Gelder und die allgemeine Rückkehr zum regulären Spielbetrieb die Sicht frei auf Versäumnisse in der Förderpolitik, die in den letzten drei Jahren in den Hintergrund gerückt sind. Auf Langfristigkeit angelegte, mittelgroße Projekte fallen häufig durch das Raster und die Fördertöpfe insgesamt müssten deutlich wachsen, um Inflation und steigende Lebenskosten halbwegs auszugleichen. In der Pandemie kamen eine Vielzahl neuer Akteur*innen und Stimmen nach Berlin, die sich nun Gehör verschaffen und ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Dies darf gleichzeitig nicht auf Kosten etablierter Strukturen in der freien Szene geschehen. Es braucht eine Balance zwischen Gewachsenem und Experiment.

Dass diese Mischung die Stärke der zeitgenössischen Musikszene in Berlin ist, beweisen die nächsten beiden Monate einmal mehr. Wem der Sinn nach Party steht, sei am 15. März der Weg ins Neuköllner arkaoda empfohlen, wo der schwedische Multiinstrumentalist Sheik Anorak und Berlin’s finest Guido Möbius Beatlastiges mit abstrakten Sounds vermischen. Bei der MaerzMusik (17.–26.03.) freuen wir uns u.a. auf Konzerte von Laure Hiendl, asamisimasa und Elaine Mitchener. Für die siebenstündige Aufführung von Béla Tarrs epochalem Filmwerk »Sátántangó«, erstmals in 4K-Auflösung und mit Live-Soundtrack (31.03–01.04.), ziehen wir in die Betonhalle des silent green – nicht verpassen! Und last but not least präsentieren die biegungen im ausland (25.03.) das letzte Konzert des fantastischen Trios The Liz.

Wir sehen uns – hier oder dort!

Künstlerisches Leitungsteam KONTRAKLANG

Marta Blažanovic-Drefers
Patrick Klingenschmitt
Edoardo Micheli

  • Opposite Editorial
  • fieldnotes31
  • Opposite Editorial
  • Kontraklang

For further reading

Colin Hacklander & Farahnaz Hatam

Opposite editorial | Duo LABOUR

The Austrian artist Bernhard Leitner once said something like, ‚acoustic space approaches one externally, yet remains primarily an internal space.‘ In these times of reduced social opportunites and the increased necessity (or temptation) of exchange via telecommunications, the possibility ...

Kamila Metwaly & Berno Odo Polzer

Opposite editorial | Kamila Metwaly and Berno Odo Polzer

We’re only approaching the density of relationality that used to be called normality, sensing the necessity to relate in different and diverse ways. Hosting or attending public spaces has itself become a question of experimentation and reconfiguration. Where does the experience of the pand...

Bettina Wackernagel + ale hop (c) Heroines of Sound

Opposite editorial | Alejandra Luciana Cárdenas / Bettina Wacker

As we continue to deal with the pandemic's aftermath, Man-made catastrophe and its ever-accelerating pace has eclipsed our longings for certainty. In these dire circumstances, the possibility of being-with each other in music spaces is of great relief because music is our reliable hom...

Elaine Mitchener

Interview | Elaine Mitchener on On Being Human as Praxis #31

"On Being Human as Praxis" was conceived by Elaine Mitchener. The vocal artist invited five different composers—Jason Yarde, Matana Roberts, Laure M. Hiendl, Tansy Davies, and George E. Lewis—to respond to the work of the Jamaican feminist and cultural theorist Sylvia Winter. It ...